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Special

Dane Tudor – Freeskiing´s Most Valuable Player im Interview

Mit einem Dane Tudor im eigenen Team würde sich so ziemlich jede Freeski-Brand glücklich schätzen. Der gebürtige Austra- lier hat Qualitäten an allen Enden und killt es wirklich in je- dem Terrain. Eagl ob fette Big Mountain Lines, massive 10er über Booter im Backcountry oder sogar Triples im Park, Dane beherrscht die komplette Bandbreite, die Freeskiing zu bieten hat. Wenige andere Fahrer können bei so viel Talent mithal- ten, weshalb wir Dane an dieser Stelle den Titel des „Freeski MVP“ verleihen wollen. Woher dieses Talent kommt? Vielleicht von Danes Vater John Olds, der früh starb, zuvor jedoch in so manchem Old School Ski Movie von sich reden machte, so dass man sich in Alaska noch heute Geschichten über ihn erzählt. Solch ein Ausnahmetalent wie Dane will natürlich jeder in sei- nen Team-Reihen haben. Den Pick des Jahres hat sich Scott gesichert und stattet Dane Tudor seit dieser Saison „tip to toe“ aus. Congratulations!

Viele da draußen wissen sicher nicht, dass du gebürti­ger Australier bist. Wie steht’s denn um deinen Nationalstolz, sitzt hier ein waschechter Aussie? Erzähl uns doch mal, wieso und wann du nach Amerika umgesie­ delt bist!

Nun, meine Mutter hatte es sich in den Kopf gesetzt, dass ich in Australien geboren werden sollte. Deshalb hat sie sich ein paar Tage, bevor es so weit war, in den Flieger gesetzt und ist rüber nach Australien gejettet. Für alle, die es etwas genauer wissen wollen: Noch während des Flugs platzte ihre Fruchtblase und ich wäre beinahe im Flugzeug zur Welt gekommen. Verdammt, knapp verpasst! Als sie in Sydney ankam, fuhr sie direkt ins Krankenhaus, wo ich kurze Zeit später das Licht der Welt erblickte. In Australien verbrachte ich lediglich die ersten zweieinhalb Jahre meines Lebens, bevor wir nach Alaska zogen, wo wir später dann schließlich unser Haus bauten.

Da warst du ja noch ziemlich klein, allerdings nicht zu klein, um erste Schritte auf Ski zu unternehmen. Hast du deine ersten Skierfahrungen in Australien gesammelt?

Nein, zum ersten Mal auf Skiern stand ich in Red Mountain, British Columbia, was zu unserer Winterresidenz wurde.

Damit sprichst du einen interessanten Punkt an: Warum hast du eigentlich dein Leben lang den Wohnsitz zwischen Rossland, BC, und Alaska gewechselt? war das nicht stressig oder gab es dafür einen speziellen Grund?

Eigentlich fand ich das sogar ziemlich geil! Im Winter habe ich die fettesten Pillow Lines von BC vor der Tür und shreddeden feinsten Powder und im Sommer schwinge ich mich in Alaska auf meine Motocross-Maschine. Das einzige Problem waren die ständigen Schulwechsel, weshalb ich irgendwann Heimunterricht bekam.

Dein Vater, der starb, als du klein warst, war ebenfalls eine Skilegende. Auch er tauchte in damaligen Filmproduk­ tionen auf und war ein bekannter Shredneck. nun steigst du in seine Fußstapfen und bist einer der Big Names mit einigen Movie­Parts. Wie fühlt sich das an?

Mein Vater kam aus Juneau, AK, was nicht weit weg von Haines liegt. Als wir für „WE“ in Haines filmen waren, traf ich den Besitzer von AK Heli, der uns die ganze Zeit flog. Als er meinen Namen hörte, erkundigte er sich, ob es da einen Zusammenhang zwischen mir und meinem Dad gäbe. Es stellte sich heraus, dass die beiden Shred-Buddies waren! Zum Ende erzählte er mir, welch wilder Hund mein Vater gewesen wäre, und fragte mich, ob ich die Filme gesehen hätte, in denen die beiden auftauchten. Das war schon cool, von dem Besitzer der Heli Company all diese Storys über meinen Dad zu hören. Ich wünschte, er könnte mich heute sehen!

Wir konnten dich jüngst neben den aktuellen Ski­Movies in einigen Talkshows im Fernsehen sehen. Wie kam denn das zustande?

Ja, ich und ein paar andere Jungs waren bei KING 5 in Seattle. Das hatten wir Alex Wilson, einem großen Fan, zu verdanken, dessen Vater die Show leitet. Das Ganze war eine wirklich coole Erfahrung und ich würde jede Gelegenheit wahrnehmen und es wieder tun.

Wie sollten sich deiner Meinung nach Vertreter unseres Sports in der Öffentlichkeit verhalten? Im Fernsehen vertritt man schließlich nicht nur sich selbst, sondern eine ganze Bewegung.

Hey, ganz ehrlich? Ganz natürlich und einfach so, wie sie es wollen und für richtig halten. Aber natürlich sollte man schon vorzeigbar sein und sich gut ausdrücken können. Das ist in der Tat wichtig!

Ihr habt das ganz gut hinbekommen, muss man sagen. Mit Olympia am Horizont ist es ja auch nicht schlecht, den Leuten zu vermitteln, dass wir einen professionellen Sport und ein ernsthaftes Business betreiben. wie stehst du zu den Olympischen Spielen?

Ja, Mann, das ist schließlich nicht nur unser Lifestyle, sondern auch unser Job. Also, viel ernster kann es ja wohl gar nicht werden. Für mich bedeutet es, die Sache einerseits ernst zu nehmen und dennoch den Spaß am Shredden nicht zu verlieren. Genau mit dieser Einstellung werde ich an die Olympischen Spiele herangehen. Ich halte sie für eine super Sache! Für uns Athleten sind sie einfach eine super Gelegenheit, uns der Weltöffentlichkeit zu präsentieren. Obwohl man nicht unbedingt so fährt, wie man es eigentlich will, sollte es gut wer- den. Schließlich ist das bei allen Contests so. Da kommt es halt auf die verrücktesten Tricks an und nicht unbedingt auf Style. Dort ist jeder seines eigenen Glückes Schmied. Ich für meinen Teil stresse mich da nicht, für mich stehen das Backcountry und der Powder nach wie vor an erster Stelle!

Jetzt, da alle wissen, dass du Australier bist, sollten sich die anderen Nationen wohl vor den Aussies fürchten. Du und Russ Henshaw wärt schon gute Leit­wölfe. Was hältst du von dieser Idee: Realität oder Fiktion?

Russ ist ein großartiger Park- Fahrer und ich bin stolz, mit ihm in einem Team zu sein. Ich denke, dass wir ein richtig starkes Team haben, aber bin mir auch bewusst, dass ich mein Park Game wieder etwas verbessern muss!

Aber pass bitte auf, dass du nicht so ein Roboter wirst wie Russ! Teil­weise wird es ja echt langweilig, sich Contests anzuschauen, weil alle die gleichen Tricks machen. Da sehe ich lieber Jungs wie dich, die es einfach überall killen. wie siehst du die aktuelle Entwicklung im Freeskiing?

Also, dieses Phänomen bei Contests lässt sich ja ganz einfach erklären. Die Contest-Szene füttert sich nämlich im Endeffekt selber. Die Leute werden immer die nachahmen, die gerade am erfolgreichsten sind, und deren Gewinnformel kopieren. Ich finde das eigentlich ganz gut so. Es sind einige Tricks entstanden, die die Contest-Maschinen draufhaben, von denen ich nur träumen kann. Auf der anderen Seite geben mir Contests immer ein Gefühl der Eingrenzung. Deshalb liebe ich es, im Backcountry oder auf der Straße unterwegs zu sein. Dort kann ich mir meine Hits selbst aussuchen und tun, was immer ich will, ohne mir darüber Gedanken zu machen, wie die Judges das Ganze bewerten.

Man hört es schon: Du fährst Street und Backcountry und sogar Big Mountain. Überall machst du eine gute Figur und bist einer der komplettesten Fahrer momentan. Auch im Park hat man dich abge­hen sehen und du hast an Contests wie der Dew Tour teilgenommen. wieso läuft es bei dir so herum? Andere Fahrer gehen vom Park ins Backcountry…

Das stimmt, die meisten Rider kommen aus dem Park ins Backcountry, aber sie hatten auch nicht während der ganzen Jugend und Kind- heit den Powder unter den Brettern so wie ich. Als ich neu in die Szene kam, habe ich meine ersten Laps im Park schon genossen. Aber im Endeffekt bin ich der Liebe meines Lebens verfallen: dem Back- country Powder, dem ganzen Abenteuer und der Szenerie dabei. Das verkörpert für mich einfach einen ganz besonderen Lifestyle, den ich viel mehr genieße als die Park-Szene.

Vor einigen Saisons hast du ja schon mal ordentlich abgeräumt: Cold rush, Line Catcher, iF3 und Powder Awards wären da als events zu nennen, bei denen du erfolg hattest. Da fehlen fast nur noch die X Games, oder?

Einer meiner größten Träume war es immer, bei den X Games dabei zu sein. Aber weil die Teilnahme auf Slopestyle Results basiert, ist es für mich natürlich schwer, da reinzukommen. Ganz einfach, im Moment fehlen mir die Ergebnisse, um dabei sein zu können.

Und nach den X Games die Freeride World Tour entern! wie würde dir das gefallen?

Um ehrlich zu sein, brauchen wir hier gar nicht großartig über Contests zu sprechen. Das Einzige, was ich wirklich liebe, ist das Filmen! Von daher hoffe ich einfach, dass ich jedes Jahr mit einem Banger-Segment auftrumpfen und größtenteils auf Wettkämpfe verzichten kann. Außer bei Contests wie dem Line Catcher oder dem Swatch Skiers Cup sollte man mich eigentlich nirgendwo wirklich erwarten.

Na ja, eigentlich hast du ja Skills in jedem Terrain. Den einen Tag schmeißt du Triples über Kicker, den anderen ziehst du Lines an gro­ßen Faces wie in der legendären Sluff Line in „the Grand Bizarre“… Da wollte ich dich eh mal fragen, wie du diese Line damals erlebt hast.

Ich versuche einfach, es überall zu killen und immer alles zu geben, egal wo! An den Tag kann ich mich noch ganz genau erinnern. Wir saßen im Heli und ich scoutete einfach die krasseste Line, die ich an diesem Tag shredden könnte. Da kam mir dieses Face natürlich gerade recht! Die hatte die Schneedecke schon etwas angetaut, da es bereitsspät im Frühling war. Daher war ich etwas unsicher, ob die Schneedecke halten würde, und hätte fast einen Rückzieher gemacht. Gut, dass ich drangeblieben bin und eindroppte! Ich fuhr die Line und das war dann gleichzeitig das glorreiche Ende meiner Saison. Was für ein Saisonabschluss!

Irgendwo hab ich gelesen, dass Sammy Carlson etwas Überzeugungsar­beit bei der Line leisten musste. was ist dran an der Geschichte?

Also, das war so: Sammy war zufällig zur gleichen Zeit im Whistler Backcountry unterwegs und so landeten wir für ein paar Sekunden auf derselben Funkfrequenz. Er sprach mir Mut zu, bevor wir uns wieder verloren, und so stand die Entscheidung fest.

Für die Drehs bist du quasi nonstop unterwegs und kaum zu Hause. trotzdem hast du ein sehr inniges Verhältnis zu deiner Mutter. Wie geht sie damit um, dass sie ihren Sohn kaum zu Gesicht bekommt?

Sie hat damit kein Problem! Wir ziehen eben beide unser Ding durch und unterstützen uns, wo es nur geht.

Deshalb hat sie dich damals wohl auch immer zu deinen Motocross­ren­nen gefahren, als du noch jünger warst…

Genau, sie wollte mir immer die Möglichkeit bieten, meine Träume zu verwirklichen. Ganz egal, was es war, sie hat mir mein Leben lang volle Unterstützung gegeben. Ich könnte mir bei bestem Willen keine bessere Mutter wünschen.

Du bist auch ziemlich gut im Motocross. Hast du da nicht mal an eine Pro­ Karriere gedacht und davon geträumt, davon zu leben?

Yeah, auf jeden Fall habe ich davon geträumt, professionell Rennen zu fahren. Aber irgendwann kamen wir an einen Punkt, an dem wir erkannten, dass wir den Rennzirkus finanziell einfach nicht mehr bewältigen könnten. Außerdem war ich bereits auf dem besten Weg, Ski-Pro zu werden, und so habe ich mich auf meine Wurzeln besonnen und nun bin ich Pro-Skier. Hat doch alles ganz gut geklappt, oder?

Ab und zu steigst du aber schon noch aufs Bike und drehst deine runden. Hilft dir das Motorradfahren irgendwie beim Skifahren oder beeinflusst dein riding?

Natürlich gönne ich mir öfter mal einen Ausritt. Ich habe mir erst kürzlich ein neues Bike zugelegt, mit dem ich durch die Berge heize. Das macht einfach einen Höllenspaß und hilft mir definitiv, meine Alround-Skills zu verbessern. Egal ob es Motocross, Mountainbiken, Sledding oder eben Skifahren ist, man ist immer in der gleichen „Angriffsposition“!

Gut, dass du beim Freeskiing hängen geblieben bist, kann man da nur sa­gen. Genau wie dein Kollege Leigh Powis, mit dem du zusammen gewohnt hast. er scheint ein ziemlich spezieller Charakter zu sein. wie kommt ihr miteinander klar?

Leigh und ich trafen uns das erste Mal 2008 in Manning Park und wurden auf Anhieb gute Freunde. Er plante gerade, seine Sommersaison in Neu- seeland zu verbringen, und so beschloss ich kurzerhand mitzugehen. In der Zeit waren wir dann Roomies und kamen super klar. Seitdem shredden wir immer zusammen, wurden die Rider und Dudes, die wir heute sind.

Wie steht’s denn um Leighs Fähigkeiten als Tätowierer? Verdient er eigentlich Geld damit?

Das sollte man meinen, wenn man bedenkt, dass er so gut wie jeden in Whistler tätowiert hat.

Wo bekomme ich denn einen echten „Leigh Powis“ unter die Haut geritzt?

Ganz einfach: Besuch ihn in Whistler und frag nach einem Tattoo. That’s it!

Du selbst hast ja auch ein OG Tattoo von Leigh auf der Brust. Hat’s dir gefallen, als er dich dort ange­ fasst hat? ist da eventuell mehr zwischen euch?

Nein, Mann, da ging es rein ums Tätowieren, nicht mehr und nicht weniger! Klar?

Okay, dann mal zurück zum Geschäft. Auf Free­skier.com war mal ein interessanter Artikel über dich zu lesen, in dem du sagtest, dass du immer neue Challenges suchst. es klang ein wenig so, als würdest du deiner Freeski­Karriere den Rücken zukehren wollen…

Nein, da braucht ihr keine Panik zu haben. Ich werde immer Ski fahren, neue Tricks lernen und meine Limits pushen. Neue Challenges liegen für mich eher in den zukünftigen Filmarbeiten und im Sled- Fahren. Da werde ich also noch gut zu tun haben.

Was liegt denn an für die Zukunft?

Ich werde versuchen, es auch weiterhin im Backcountry zu killen. Hart an meinem Trickrepertoire zu arbeiten und immer mehr Tricks auf Natural Hits zu übertragen. Ich hoffe, irgendwann ein dickes Multi- sports-Movie herauszubringen. Mein Hauptziel ist es allerdings, einfach nur weiterhin einen Haufen Spaß zu haben.

Wir wünschen dir bei der Umsetzung deiner Pläne nur das Beste und viel Spaß!

Den wünsch ich euch auch! Danke fürs Lesen!

INTERVIEW: CHRISTOPHER NEUMANN

FOTOS: DARCY BACHA

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