Share

Freeriden wird olympisch

News

Freeriden wird olympisch: IOC nimmt Disziplin in das Programm der Winterspiele 2030 auf

Historischer Meilenstein oder Risiko für den Spirit des Sports?

Fotos: FWT 

Das Internationale Olympische Komitee (IOC) hat offiziell bestätigt: Freeride-Skiing und Freeride-Snowboarding werden Teil der Olympischen Winterspiele Alpes 2030. Damit feiert eine der jüngsten Wintersportdisziplinen ihr olympisches Debüt, und schreibt Geschichte.

Für viele Athletinnen und Athleten geht damit ein Traum in Erfüllung. Gleichzeitig sorgt die Entscheidung in der Freeride-Szene für intensive Diskussionen. Ist Olympia der nächste logische Schritt für den Sport? Oder besteht die Gefahr, dass Freeriden einen Teil seiner Identität verliert?

Ein großer Schritt für den Freeride-Sport

Dass Freeriden olympisch wird, zeigt vor allem eines: Die Sportart hat sich in den vergangenen Jahrzehnten enorm entwickelt.

Aus einer kleinen Szene mit wenigen Veranstaltungen ist ein professioneller Wettkampfsport geworden. Heute umfasst das Ökosystem der Freeride World Tour (FWT) mehr als 10.000 lizenzierte Athletinnen und Athleten, über 300 Wettkämpfe weltweit und einen klaren Karriereweg – von den Junior-Events über Qualifier und Challenger bis in die Weltspitze.

Mit den ersten FIS Freeride-Weltmeisterschaften 2026 wurde bereits ein weiterer Meilenstein gesetzt. Die Aufnahme ins olympische Programm wirkt daher wie der nächste logische Schritt.

Auch Nicolas Hale-Woods, Gründer und CEO der Freeride World Tour, spricht von einem historischen Moment für die gesamte Community. Besonders freue ihn, dass junge Athletinnen und Athleten nun erstmals von einer olympischen Medaille träumen können.

Freeriden wird olympisch
Freeriden wird olympisch

Neue Chancen für Athletinnen und Athleten

Für viele Profis eröffnet Olympia völlig neue Perspektiven. Der deutsche Freeride-Weltmeister Max Hitzig bezeichnet die Olympischen Spiele als sein nächstes großes Karriereziel. Die Bühne könne dem Sport weltweit deutlich mehr Aufmerksamkeit verschaffen.

Ähnlich sieht es Lena Kohler, die bereits auf der Freeride World Tour gestartet ist. Für sie sind Olympische Spiele das größte Ziel im Leistungssport. In den kommenden Jahren wolle sie sich kontinuierlich weiterentwickeln, um sich für Frankreich 2030 zu qualifizieren.

Auch der österreichische Weltmeister Valentin Rainer sieht große Chancen,  insbesondere für den Nachwuchs. Mit dem olympischen Status könnten Förderprogramme, Trainingsstrukturen und die Professionalisierung des Sports weiter ausgebaut werden.

Freeriden wird olympisch
Freeriden wird olympisch

Aber passt Freeriden überhaupt zu Olympia?

So groß die Euphorie ist, so deutlich fällt auch die Kritik aus.
Denn Freeriden unterscheidet sich grundlegend von vielen klassischen Wintersportarten. Es gibt keine festgelegte Strecke, keine Tore und keine Ideallinie. Bewertet werden Kreativität, Linienwahl, Kontrolle, Flüssigkeit sowie Sprünge und Tricks, und genau diese Freiheit macht den Reiz des Sports aus.

Deshalb fragen sich viele innerhalb der Szene, ob ein olympisches Wettkampfformat diesem Charakter überhaupt gerecht werden kann.
Die Sorge: Je stärker der Sport reglementiert wird, desto mehr könnte genau das verloren gehen, was Freeriden ausmacht.

Wer fährt 2030 überhaupt um olympisches Gold?

Eine weitere Diskussion dreht sich um die Qualifikation.
Offizielle Kriterien gibt es bislang noch nicht. Da die FIS Ende 2022 die Freeride World Tour übernommen hat und diese inzwischen als wichtigste internationale Wettkampfserie gilt, rechnen viele damit, dass sie auch den Weg zu Olympia ebnen wird.

Doch genau hier beginnen die offenen Fragen.

  • Ist eine Wettkampfserie wirklich der beste Maßstab, um die stärksten Freerider der Welt zu finden?

Viele der bekanntesten Backcountry-Skifahrer und Snowboarder konzentrieren sich heute vor allem auf Filmprojekte statt auf Contestserien. Würden sie überhaupt eine komplette Saison auf Dreharbeiten verzichten, um Punkte für Olympia zu sammeln?

  • Oder bleiben am Ende genau die Athletinnen und Athleten außen vor, die den Sport in den vergangenen Jahren geprägt haben?

Profitieren plötzlich andere Disziplinen?

Auch darüber wird diskutiert. Könnten erfolgreiche Slopestyle- oder Big-Air-Athletinnen und -Athleten künftig verstärkt ins Freeriden wechseln, weil dort eine zusätzliche olympische Medaillenchance wartet? Zwar haben viele dieser Rider ihre Klasse auch im Backcountry längst bewiesen. Dennoch stellt sich die Frage, ob klassische Freeride-Spezialisten dadurch künftig stärker unter Druck geraten könnten.

Freeriden wird olympisch

Mehr Sichtbarkeit, aber zu welchem Preis?

Unterm Strich überwiegt derzeit wohl die Freude. Die olympische Aufnahme bedeutet mehr Aufmerksamkeit, mehr Nachwuchsförderung, mehr finanzielle Unterstützung und eine deutlich größere internationale Bühne für den Sport. Gerade junge Talente profitieren davon, dass Freeriden künftig noch professioneller gefördert werden dürfte.

Gleichzeitig hoffen viele Fans, dass der ursprüngliche Spirit des Sports erhalten bleibt. Freeriden war immer mehr als ein Wettkampf – es war Ausdruck von Kreativität, Individualität und der Freiheit, den Berg auf die eigene Weise zu fahren.

Unser Fazit: Freeriden wird olympisch

Die Aufnahme in das olympische Programm ist zweifellos ein historischer Erfolg für das Freeriden. Sie eröffnet dem Sport neue Möglichkeiten und verschafft ihm die Aufmerksamkeit, die er sich über viele Jahre erarbeitet hat.
Ob Olympia dem Freeriden langfristig guttut, wird sich allerdings erst zeigen. Entscheidend wird sein, wie die Qualifikation gestaltet wird und ob es gelingt, genau die Athletinnen und Athleten an den Start zu bringen, die den Sport heute prägen.

Fest steht: Bis zum olympischen Debüt bei den Winterspielen Alpes 2030 dürfte die Diskussion darüber, wie viel Wettkampf ein Freeride verträgt, die Szene noch einige Jahre begleiten.

Freeriden wird olympisch
Freeriden wird olympisch
Geschäftsbedingungen

Gib bitte deine Email Adresse an, damit wir dich mit News, Updates und den neuesten Angeboten versorgen können. Falls du nicht mehr interessiert bist, kannst du dich jederzeit abmelden. Wir geben deine Daten nicht an Dritte weiter und werden dir nur Nachrichten schicken, die dich auch interessieren. Versprochen!

Read our full Privacy Policy as well as Terms & Conditions.

production